Kultur

Sonderausstellung „Fakher Atassi – A tribute to the great german people“

Am Donnerstagnachmittag (16. Februar, 15:00 Uhr) eröffnet die Landrätin Antje Hochwind im Foyer des Landratsamtes die Sonderausstellung „Fakher Atassi – A tribute tot he great german people“ (bis 31. März 2017 geöffnet). Der Künstler wird anwesend sein.

Foto: „Fakher Atassi in seiner Wohnung“; Rechteinhaber: Fred Böhme

Foto: „Fakher Atassi in seiner Wohnung“; Rechteinhaber: Fred Böhme

Bad Frankenhausen. Die Schau zeigt etwa 20 klein- bzw. mittelformatige Malereien und einige aquarellierte Lithographien mit orientalischen Motiven des namhaften syrischen Künstlers. Seit April 2016 lebt nun der aus Homs gebürtige Maler in Bad Frankenhausen und mit seiner Ankunft in Deutschland ist auch seine Schöpferkraft wiedergekehrt, denn in Syrien konnte er nicht mehr malen. Fragt man ihn nach seinen Erlebnissen in der Heimat und den Gründen seiner Flucht ist dieser ansonsten so wortreiche und temperamentvolle Mann auf einmal wortkarg und verschlossen. Er betonte anfangs, dass er kein Flüchtling sei, er sei nur nach Bad Frankenhausen gekommen, weil sein Sohn hier lebt und arbeitet. Der musste vor den Assad-Schergen fliehen wegen seiner Aktivitäten in der Oppositionsbewegung.
Erst nach und nach erzählt er von fehlendem Wasser, fehlendem Strom und somit fehlendem Licht zum Malen, erzählt von der Angst wegen der Hausdurchsuchungen und Kriegseinwirkungen auch auf sein Heim. Befreit von diesem Albdruck entfaltet sich hier in Deutschland nun seine ganze Produktivität und so hat er die hier ausgestellten Bilder in kürzester Zeit gemalt, farbsprühende heitere Gebilde, die einerseits leise melancholische Erinnerungen an die Altstadt von Homs sind, andererseits aber auch auf ein neues Terrain vordrängen. Stilistisch arbeitet er an der Grenze zur abstrakten Malerei. Ausgangspunkt sind aber immer gegenständliche Motive oder Assoziationen, die er mehr oder weniger geometrisiert in Farbfelder und Flächen auflöst und damit sehr stimmige, leuchtend-farbige Kompositionen kreiert. Einem durch die melancholische Farbigkeit des mitteldeutschen Winters geprägtem Menschen mag diese farbintensive Malerei irritieren, doch ist sie Ausdruck eines heiteren, mediterran geprägten Gemüts, das sich von einer bedrückenden Last befreit sieht. Nur so ist auch der Titel der Schau erklärbar, er zeugt von einer tiefen Dankbarkeit für die Menschen dieses Landes.
Fakher Atassi ist kein Anhänger von Ismen und Theoremen, er arbeitet aus dem Bauch heraus, folgt ganz seinem Gefühl und seiner Intuition. Seine Malereien werden nicht lange skizziert oder vorkonzipiert, vielmehr bedrängen ihn die inneren Bilder, die raus wollen, Malerei werden wollen. Und er ist voll davon. Er ist auch kein Maler, der sich dann ewig an diesen Bildern aufhält, sie überarbeitet, teilweise kreativ zerstört, um neu zu erschaffen. Die Malereien sind abgeschlossen, wenn ihre Leinwand mit Farbe gefüllt und sie signiert sind. Vorab untermalt er lediglich die Leinwände in mittlerem Grau, um das blendende Weiß der Grundierung zu brechen. Ihn drängt es auch nicht zu Serien, wie man das von Monet kennt, der ein Bildmotiv in verschiedensten Lichtsituationen wiederholte. Bei Fakher Atassis Kunst passiert alles spontan und ist der augenblicklichen Situation und Stimmung verpflichtet. Das Fragmentarische und mitunter auch etwas Unfertige mancher seiner Bilder ist ästhetisches Konzept.
Geboren wurde er als viertes Kind eines Textilienhändlers 1953 in Homs. Sein Vater spielte in der Freizeit ganz gut Violine und auch seine Mutter brachte mit ihren kunstvollen Stickereien ein musisches Element in die Familie. Schon früh begann der kleine Fakher zu zeichnen. Als er sechs Jahre alt ist, fällt seinem älteren Bruder Fahed auf, dass er über eine besondere Begabung im Zeichnen verfügt, weswegen er ihn seitdem förderte. Als Zwölfjähriger beginnt er 1965 eine künstlerische Ausbildung am Institut der Schönen Künste in Homs, das er bis 1968 besuchte. Er lernte dort bei den in Syrien recht bekannten Avantgardisten und Meistern der abstrakten Malerei Abdul Saher Murad und Achmad Drak Sibai. Schon in dieser Entwicklungsphase arbeitete er zielstrebig und fleißig an seiner Karriere als Maler, probierte sich in verschiedensten Malweisen aus, suchte nach einem eigenen unverwechselbaren, ihm gemäßen verfeinerten Stil. Ab 1970 begann er an der Universität von Damaskus ein fünfjähriges Architekturstudium, nach dessen Abschluss und zwei Jahren Praxiserfahrung als freier Architekt er ab 1977 weitere fünf Jahre Studium in Damaskus folgen ließ, in denen er noch promovierte und nun als Doktor der Architektur im gesamten arabischen Raum, vor allem aber in Syrien, im Libanon oder in Dubai nicht nur das Innenleben von Wolkenkratzern, sondern auch von Schulen, Hotels und Krankenhäusern entwarf, die dann selbstverständlich auch gebaut wurden. In Syrien beinhaltet das Architekturstudium einerseits eine Ausbildung in freier bildender Kunst und eine im Design und angewandter Kunst, also Architektur. Doch Fakher fühlte sich stets mehr zur Malerei hingezogen. Fakher Atassi nahm an zahlreichen nationalen sowie internationalen Kunstausstellungen teil, bei denen seine Kunstwerke wiederholt gewürdigt wurden. Mehrere europäische und südamerikanische Konsulate, sowie Kultureinrichtungen erwarben daraufhin seine Werke für ihre Kollektionen oder zur repräsentativen Ausgestaltung ihrer Räumlichkeiten.

Fred Böhme

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