Eisleben. „Das kalte Herz“ ist ein Märchen von Wilhelm Hauff. Die meisten dürften es aus der DEFA-Verfilmung kennen, die eher düster daherkommt. Nun hat sich das Theater Eisleben dieses Märchens angenommen und ein modernes, kindgerechtes Theaterstück auf die Bühne gestellt.
Kai O. Schubert lässt den Köhlerjungen Piet Munk (Julius Böhning) einen Waldgeist entdecken und dessen Kiste voller Eis. Das benutzt der Junge dazu, sein Herz zu betäuben. Immer mehr braucht er, immer cooler wird er, bis er erstarrt. Ein Schelm, der hier an Substanzmissbrauch denkt! Lisbeth (Friederike Fink) ist voller Sorge, doch kann sie Piets Herz wieder erwärmen?
Ein Stück über Gefühle und den Versuch, diesen zu entfliehen. Etwas, das Jung und Alt wohl gleichermaßen bewegt. Das Theater Eisleben versteht sich brillant darauf, auch in den Kinder- und Jugendstücken die Erwachsenen bei der Stange zu halten und in Zwischentönen den ein oder anderen Lacher oder zumindest ein Schmunzeln zu provozieren.
Die Musik des Stückes ist modern, so wird gerappt und viel gesungen. Einige nachhallende Verse bleiben sofort im Ohr, was das Ensemble geschickt nutzt, um das Publikum gar zum Mitsingen zu animieren. Die Themen tauchen während des Stücks immer wieder auf. Manchmal wirkt ihr repetitiver Einsatz leider etwas plump in Hinblick auf Timing, Attack und Entwicklung einer Melodie. In der Gesamtschau ist die Musik von Christian Faust trotzdem zu loben, da ihre bereits erwähnte Eindringlichkeit uns durch das Stück trägt.
Das Bühnenbild ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Für viele Kinderaugen sind Bäume, die auch mal zwinkern, immer mit einer Faszination verbunden. Die Lichtstimmungen sind abwechslungsreich und das Motiv des Waldes so schön, dass man sich wünscht, man würde noch etwas länger in den recht schnell wechselnden Stimmungen verweilen können. Dabei muss freilich an die Kleinen gedacht werden, denen das sonst möglicherweise zu dröge würde, aber wer weiß, vielleicht ginge da auch mehr. Während der Vorstellung lag jedenfalls der Fokus aller im Raum durchgehend auf der Bühne. Auch die Kostüme überzeugen; besonders der bunte „Vogel“ (Annette Baldin) und der frostige „Waldgeist“ (Christopher Wartig) dürften allen Zuschauenden gefallen.
Eine kurzweilige Stunde im Theater Eisleben erwartet Familien und Theaterfreunde. Die Karten sind mit 15,00 € (Normalpreis) und 7,00 € (reduziert) eigentlich zu preiswert für das, was geboten wird.
Planmäßig sehen Sie „Das kalte Herz“ wieder im neuen Jahr auf der Großen Bühne:
Di., 31.03.2026, 10:00 Uhr
Mi., 01.04.2026, 10:00 Uhr
Vielleicht sagt Ihnen aber auch noch ein anderes Stück zu. Schauen Sie doch mal vorbei im Theater Eisleben.
Einen Vorgeschmack gibt es auf youtube: https://www.youtube.com/watch?v=3sXhsm9m61s
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