Kultur

Vernissage Heinz Scharr – Kraft der Natur

Aus Anlass seines 90. Geburtstages präsentiert das Panorama Museum Bad Frankenhausen eine Anthologie seines Schaffens von den achtziger Jahren bis zur Gegenwart.

Aus der Serie »Oberförster von Kleist« (Blatt 18), 1993  Chinatusche und Rohrfeder, teilweise aquarelliert, auf historischen Schriften, montiert auf Zeichenkarton, 64,1 x 49,0 cm

Aus der Serie »Oberförster von Kleist« (Blatt 18), 1993 Chinatusche und Rohrfeder, teilweise aquarelliert, auf historischen Schriften, montiert auf Zeichenkarton, 64,1 x 49,0 cm

Bad Frankenhausen. Heinz Scharr, der am 1. Juli 1924 in Sondershausen geboren wurde und zeitlebens am Fuße der Berge zwischen Hainleite, Helbetal und der Eichsfelder Pforte tätig war, gehört zu den markantesten Persönlichkeiten der mitteldeutschen Kunstszene (Christa Hirschler), deren Lebensleistung es außerhalb des bisherigen Wirkungskreises gleichwohl erst noch zu entdecken gilt. Überschaut man sein bislang bekanntes und publiziertes Werk, beeindruckt die Geradlinigkeit einer Entwicklung, die in einer Zeit sich verschärfender Formalismusdebatten 1948 mit einem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei so gewichtigen Lehrern wie Ernst Hassebrauk, Elisabeth Voigt, Max Schwimmer und Walter Arnold begann und vor dem Hintergrund höchst widerspruchsreicher kunstpolitischer Bedingungsgefüge von anfänglich streng realistischen Auffassungen über die Jahre und Jahrzehnte hin zu einem nahezu abstrakten Expressionismus eigenen Charakters führte, der gleichermaßen Elemente des Tachismus oder auch Informel in sich aufnahm.

Die konsequente Hinwendung zu den Möglichkeiten einer gestisch-strukturellen Abstraktion, die zunehmend bestimmend wird und insbesondere das Spätwerk des Künstlers grundlegend kennzeichnet, bedeutete indes nicht, den Bezug zur Wirklichkeit vollkommen aufzugeben. Im Gegenteil! Die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit bleibt der beherrschende Ausgangspunkt, der Wurzelgrund und das Rohmaterial seiner bildnerischen Arbeit – auch dort, wo die Form ihren Abbildcharakter sichtbar verloren hat. Mehr noch: Das ganze Universum der Natur vom Körper über die Vegetation bis zur Landschaft, gefangen im ewigen Kreislauf von Entstehen und Vergehen, von Beständigkeit und Endlichkeit, von Bewährung und Untergang bildet sein Thema, gibt ihm Anlass zu einer permanenten Analyse ihrer Beschaffenheit, ihrer Struktur, ihrer Substanz. So unerschöpflich wie die Natur in Wald und Flur, so unversieglich ist der Antrieb zu immer neuer ästhetischer Auseinandersetzung mit dem gegebenen Befund. Bei aller »Emanzipation von der direkten Abhängigkeit von der Natur« (Wassily Kandinsky) vollzieht sich bei Heinz Scharr ein permanenter Einbruch der Wirklichkeit in seine Kunst – unter selbstverständlicher Wahrung unbeschränkter Freiheit in der Wahl seiner Mittel. »Kraft der Natur« schafft er so Analogien zur Realität, schöpft Gleichnisse ihrer Stärke, ihrer Wesenskräfte, ihrer Verletzbarkeit aus innerer Übereinstimmung, ja Notwendigkeit, fixiert »Leben als Verdichtung von Energien, als Wachstum gegen Widerstände, den Urgewalten abgetrotzt« (Cornelia Nowak, Kai Uwe Schierz). In der gestischen Spontaneität des Vortrages gewinnt er Identität mit seinem Werk als Ausdruck eigener geschichtsbedingter, erlebter wie erlittener Weltbefindlichkeit, verschmilzt das Werk mit der Persönlichkeit, führt existenzielle Sinnsuche zu lustvoller Selbstentfaltung.


Aus Anlass seines 90. Geburtstages präsentiert das Panorama Museum Bad Frankenhausen eine Anthologie seines Schaffens von den achtziger Jahren bis zur Gegenwart.

Gerd Lindner

Kommentare

Kommentieren
Im Moment sind keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten!

Beliebte Artikel

Zur Leseliste hinzufügen

Vorsicht Betrug: Täter nutzen originale Telefonnummern

Nordthüringen Vorsicht Phishing

Zur Leseliste hinzufügen
Brückenfest und Sternfahrt - Einweihung der neuen Unstrutbrücke

Brückenfest und Sternfahrt - Einweihung der neuen Unstrutbrücke

Schönfeld Nach mehr als vier Jahren ohne direkte Querung über die Unstrut ist es endlich soweit: Am Samstag, dem 25. Juli 2026, wird die neue Rad- und Fußgängerbrücke in Artern, Ortsteil Schönfeld, im Rahmen eines großen Brückenfestes offiziell eröffnet. Das wird los sein.

Zur Leseliste hinzufügen

Flächenbrand auf Feld

Ringleben Feuerwehr kann Ausdehnung verhindern

Zur Leseliste hinzufügen

Zwei hochwertige E-Bikes entwendet

Artern aus Hausflur

Beliebt

Neueste Artikel

Zur Leseliste hinzufügen
vor 3 Tagen

Mopedfahrerin stürzt

Bad Frankenhausen Unfall endet mit Verletzungen

Zur Leseliste hinzufügen
vor 3 Tagen

Einschränkungen wegen Bartholomäusmarkt in Wiehe

Wiehe Bartholomäusmarkt führt zu Fahrplanänderungen

Zur Leseliste hinzufügen
vor 3 Tagen

40 Meter Hecke abgefackelt

Roßleben-Wiehe Mann löst Brand mit Bunsenbrenner aus

Zur Leseliste hinzufügen
vor 8 Tagen

Radfahrer verletzt

Bad Frankenhausen Unfall beim Einfahren in den fließenden Verkehr