Kultur

„DANKE“ sagen auf eritreische Art

„Sondershausen ist bunt“ war zur Zeremonie eingeladen.

Sondershausen. Mit einer zweitägigen eritreisch-orthodoxen Zeremonie gedachten die momentan in der Erstaufnahmeeinrichtung in Sondershausen untergebrachten Flüchtlinge der Menschen, die auf ihrer teils monatelangen Flucht nach Deutschland ihr Leben verloren, aber auch ihren zurückgebliebenen Familien.

Zum feierlichen Abschluss der Zeremonie am Samstagnachmittag waren auch die Macher der Facebookinitiative "Sondershausen ist bunt" geladen.
Gleich nach der herzlichen Begrüßung wurden wir zu Tisch gebeten und mussten feststellen, dass in Eritrea sehr scharf gewürzt wird - also zumindest für unsere Essgewohnheiten. Den Köchen rang dies nur ein verschmitztes Lächeln ab. Richtig scharf ist wohl dort anders.

Schon während des Essens entstand ein reger Gedankenaustausch, auf beiden Seiten gab es viele Fragen. Dazu wurde sich erstmal persönlich vorgestellt, wobei auch da schon die ersten kulturellen Unterschiede zu Tage traten: Den Namen Andreas tragen in Eritrea nur Frauen.
Ebenso wurden wir ausgefragt, wer denn die Initiative sei und warum wir uns für die Flüchtlinge einsetzen. Im Gegenzug erfuhren wir viele Dinge über den Fluchtweg und die dabei gemachten schlimmen Erfahrungen. Freunde und Angehörige sind auf der Flucht umgekommen, ein Schiff mit 350 Flüchtlingen ging auf dem offenen Meer unter und nur 25 konnten gerettet werden. Das sind Erfahrungen, die sie selbst ihren schlimmsten Feinden nicht wünschen würden. Wir konnten aber auch erfahren, dass sie sportbegeistert sind, sich im Fußball auch in der Bundesliga gut auskennen und dass Radsport in Eritrea Nationalsport ist. Ganz stolz sind sie darauf, dass einer der Ihrigen bei der "Tour de France" dabei ist.

Am Ende wurden wir noch gebeten, den herzlichen Dank der eritreischen Flüchtlinge an unsere Initiative "Sondershausen ist Bunt" und allen unsere Unterstützern weiterzugeben!

Bereits am Freitag empfingen die Sondershäuser Flüchtlinge viele Landsleute aus dem Bundesgebiet. Etwa 130 Gläubige begingen diese feierliche eritreische Zeremonie in der Erstaufnahmeeinrichtung und sogar die ganze Nacht hindurch in der St. Elisabeth-Kirche Sondershausen. Auch das war etwas ungewohnt, denn in Eritrea finden solche Zeremonien unter freiem Himmel, lediglich durch weiße Planen geschützt, statt.
Im Rahmen des Gottesdienstes dankten sie Gott für das Gelingen ihrer Flucht und die herzliche Aufnahme in Deutschland.

Torsten Blümel

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