Kultur

Mit den Stahlrössern auf Fahrt

Mansfelder Bergwerksbahn nicht nur für Nostalgiker

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Foto: Wassen, Linzenz: Creative Commons by-sa 3.0 de

Mansfeld. Wo reisen eingefleischte Eisenbahn-Romantiker nicht überall auf der Welt hin, um die fauchenden Stahlrösser liebevoll zu streicheln, deren unverkennbaren Dampfatem zu riechen und sich an den Gelenken der kraftvoll bewegten Pleuelstange zu ergötzen. Doch mit einem der legendären Züge durch die Teeplantagen Darjeelings oder gar mit dem exklusiven „Royal Scotsman“ durch Schottland zu reisen, ist wohl den wenigsten Bahnromantikern vergönnt. Doch so weit muss der Eisenbahnfreund gar nicht kommen. Schön Goethe wusste „Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen, denn das Glück ist immer da.“ Dass das Eisenbahn-Glück in der Mansfelder Region knapp hinter der Grenze zu Thüringen schon seit 25 Jahren da ist, wissen in der Gegend nur die eingefleischten Bahnfreunde. Dabei liegt es vor der Haustür, das Mansfelder Bergbaurevier mit seiner ganz besonderen Bahn.

Über 800 Jahre Bergbautradition haben die Gegend um Hettstedt, Mansfeld, Eisleben und Sangerhausen geprägt, die sich einst zum bedeutendsten Standort der Buntmetallurgie Deutschlands entwickelte. 1785 wurde bei Hettstedt die erste deutsche Dampfmaschine errichtet. Viele technische Neuerungen ließen die Förderung des begehrten Kupferschiefers stetig ansteigen. Der Transport, bislang von Pferdewagen bewerkstelligt, musste effektiver werden. Am 15. November 1880 nahm eine 5 Kilometer lange Schmalspurbahn ihren Betrieb auf, die später auf 30 Kilometer Länge erweitert wurde. Ab 1886 verkehrte diese Industriebahn sowohl zwischen den zahlreichen Schächten der Region und den Verhüttungswerken, die sie zudem mit den Staatsbahnhöfen Mansfeld (heute Klostermansfeld) und Hettstedt verband. Ab 1882 verkehrten sogar Doppelstock-Personenwagen auf der Strecke. Den ständigen Veränderungen der Aufschlüsse und Stilllegungen der Förderstätten musste das Bahnnetz natürlich folgen. Auf 50 Kilometer Streckenlänge wuchs es um 1925 an, 30 Dampfloks, über 30 Personen- und mehr als 700 Güterwagen umfasste der Fuhrpark. Doch die Blütezeit der Mansfelder Schächte war 1969 vorbei. Nach der Schließung der letzten beiden noch verbliebenen Hütten in Hettstedt und Helbra Ende 1989 schloss sich der Lebenskreis der Mansfelder Bergwerksbahn.

Und hier setzte er ein, der unbeugsame Überlebenswille eines eingefleischten Eisenbahners, der ohne Dampf und Kohletender nicht leben kann und will. Nein, all die Werksbahn-Leute und ab 1991 Vereinsmitglieder der Mansfelder Bergwerksbahn e. V. gaben „ihre“ Bahn nicht auf. In unermüdlicher Groß- und Kleinarbeit haben die Bahner dafür gesorgt, dass seit fast 25 Jahren die Leute mit den Dampf- und Dieselloks der Mansfelder Bergwerksbahn ganz gemütlich durch Wiesen und Wälder auf schmaler Spur von Benndorf (Klostermansfeld) nach Hettstedt und zurück „tuffen“ können. Ein ganz besonderes Erlebnis und noch dazu vor der Haustür.

Es sei die älteste betriebsfähige Schmalspurbahn Deutschlands, versichert Eisenbahnbetriebsleiter und Vereinsvorsitzender Thomas Fischer. Eigentlich Lehrer von Haus aus, war er dem Eisenbahn-Virus sehr schnell verfallen und leitet die Geschicke des Vereins seit nunmehr 25 Jahren. Bis zu 16 000 Besucher zähle man im Jahr, die zwischen April und Oktober die liebevoll aufgearbeiteten Waggons der „Holzklasse“ benutzen. Das sei beträchtlich. Das Angebot der Mansfelder Bergwerksbahner ist breit gefächert, reicht von Winter- und Faschings- über Oster- oder Walpurgisdampf, Güterzugtag, Martins- und Nikolausfahrten. Dieses Jahr stehe ganz im Zeichen des 25. Jubiläums, das am 1./2. Oktober 2016 groß begangen wird. Das ist noch lange hin, jetzt werde erst einmal die Saison am 9. April 2016 um 10 Uhr eröffnet. Da fährt der Chef selbst mit, der bei jedem Halt aussteigt und seinen interessierten Fahrgästen die Mansfelder Bergwerkswelt erklärt. Die Fahrt dauert 3 Stunden und 15 Minuten und kostet inklusive der Haldenbesteigung des bekannten „Zirkelschachtes“ 12 Euro pro Person. Ein Angebot, das eigentlich kein Eisenbahn-Romantiker, der auf die Mansfelder Bergwerksbahn aufmerksam wird, abschlagen kann.


Service:
Infos, Fahrpläne und Angebote im Internet unter www.bergwerksbahn.de
E-Mail-Adresse: mansfelder@bergwerksbahn.de
Tel. 034772 27640 (Mo – Fr 7 bis 14 Uhr)

Evelyn Lange

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