Kultur

Wenn das Private Lied wird…

Rezension zum SLOW-LEAVES-Konzert vom vergangenen Freitagabend (22.3.) im Panorama Museum.

„Slow Leaves“ Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum

„Slow Leaves“ Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum

Bad Frankenhausen. Am vergangenen Freitagabend (22.3.) veranstaltete das Panorama Museum ein Konzert mit Slow Leaves aus Kanada, das waren bei diesem Konzert Grant Davidson – Liedgesang und Gitarre und Reg Richards – Bass und Backing Vocals. Ersterer ist das eigentliche Gesicht des Ensembles, denn er ist für die Lieder, deren Texte und wunderbare Melodien verantwortlich und er trägt sie auch gesanglich vor.

Allerdings wirkte das Plakat zu dieser Konzerttournee wie auch das CD-Cover von „Enough About Me“ in seiner Farbgebung und Gestaltung, als wolle es jede Auffälligkeit vermeiden. Ganz ähnlich auch der erste Höreindruck: Leise, introvertierte Stücke, die völlig unspektakulär vorgetragen wurden. All das war nicht geeignet gewesen, allzu große Publikumserfolge für das Konzert mit diesem Musiker zu erhoffen. Allerdings dann auch wieder diese schöne Gesangsstimme, voll, dann wieder zerbrechlich, nie forciert und einige dieser leise vorgetragenen Stücke kriechen in den Gehörgang und wollen diesen nicht verlassen… Irgendwie war ich hin und hergerissen. Werden die Besucher wieder freitagabendmüde stöhnen: „Wieder so eine Schlaftablette!“ oder werden die Songs auf der Bühne anders funktionieren als beim ersten Höreindruck? Slow-Leave-Stücke sind simpel instrumentiert, meist leise, fast schon introvertiert und zurückhaltend und trotzdem schön wie die eines Nick Drake, eines Elliott Smith, eines Elvis Perkins, Andrew Bird, Daniel Martin Moore oder der Songschreiber der Greenvich-Village-Szene der späten 60er Jahre.. Sie brauchen lediglich den willigen Zuhörer, der sich auf sie einzulassen bereit ist.
Grant und Reg waren pünktlich gegen 17:00 Uhr vor dem Panorama Museum angelangt. Sie packten Gitarre, Bass und die Verkaufs-CDs aus und brachten sie zur Bühne. Es folgte ein kleiner Soundcheck und dann blieb noch etwas Zeit bis zum Konzertbeginn. Die Eingangshalle füllte sich langsam. Letztlich kamen mehr als 70 Gäste, also viel mehr, als ursprünglich vom Veranstalter erwartet worden waren. Und schon begannen die beiden mit dem zweiten Stück der aktuellen Slow-Leaves-Platte „Careless and Serene“. Der Bass mitunter schlängelnd, dann pumpend und immer Melodie geführt, gab das rhythmische Fundament dem Stück, auf dem Grants gepicktes und gezupftes Gitarrenspiel sich melodisch und treibend zugleich entfaltete. Das war überaus effektiv und ohne aufgesetztes Virtuosentum, also Begleitung im Dienst des Songs und dazu sang er ganz unprätentiös mit schöner warmer, voller Männerstimme. Nach der Vorstellung der beiden und der Entschuldigung für ihre fehlenden Deutschkenntnisse orientierte Grant seine Gäste gleich, dass er kleine Geschichten erzählen und singen werde, die meist etwas melancholisch seien, weil sein Geist vor allem pessimistisch gestimmt ist. Aber es gäbe auch positive Momente darin, versicherte er und lässt sich das von seinem Bassisten bestätigen.

Das nächste Stück „Peace of Advice“ erzählte von einem wunderbaren Tag, wobei Reg in den Refrain mit einstimmte und dem Gesang zusätzlich Fülle verlieh. Und natürlich ging es dabei um ihn selbst und ihr, mit der er gemeinsam Zeit im Mondschein verbrachte und niemand ging dieses Mal vorher weg… Allesamt haben Slow-Leave-Stücke mit Grants Leben zu tun, erzählen von dem Nachbarn, der womöglich beim Geheimdienst arbeitet, vom Apfelbaum mit den viel zu kleinen Äpfeln, die nicht einmal für einen Kuchen taugen, die aber sein kleiner Sohn begeistert aufs Nachbargrundstück kickt, von dem Eindruck, den der Film „China Town“ bei ihm hinterlassen hat, erzählen von Wünschen für andere Menschen und natürlich immer wieder von den Freuden und Kümmernissen der Liebe. Was aber fesselte an diesen unspektakulären Geschichten? Ist es das Wissen um unser eigenes kleines Leben? Es ist sicher auch eine Art Charisma, mit dem dieser so bescheiden und sympathisch wirkende Sänger das Publikum für sich einnahm und die prägnanten Melodien seiner Lieder. So war dieser Abend ohne allzu schrille oder laute Töne ein Abend mit sanfter Musik, die sich in die Herzen der Anwesenden schlich, keine Party, aber eine Feier wunderbarer kleiner Songperlen, die in den Augen der aufgeschlossenen Zuhörer schön funkelten.

Fred Böhme

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