Land und Leute

Drogen in Deutschland auf dem Vormarsch - Doppelt so viele Drogentote

Doppel so viele Drogentote wie 2012. Über 80 % sind Männer. Lesen Sie hier die alarmierenden Zahlen zum Jahr 2022.

Symbolbild - benutzte Spritze

Symbolbild - benutzte Spritze

Berlin. Im Jahr 2022 ist die Zahl der Drogentoten in Deutschland weiter gestiegen. Laut den aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) sind insgesamt 1.990 Menschen an den Folgen ihres Drogenmissbrauchs gestorben - fast neun Prozent mehr als im Vorjahr. Heroin und Langzeitfolgen des Drogenkonsums sind nach wie vor die Haupttodesursachen.

Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen Burkhard Blienert bezeichnet die Zahlen als "schockierend und alarmierend". Er fordert einen Paradigmenwechsel in der Drogenpolitik, da Sucht eine Krankheit sei und suchtkranke Menschen nicht länger ausgegrenzt werden dürfen. Es sei notwendig, über Drogenkonsum, Suchthilfe und Prävention zu sprechen und den Drogenkonsum aus dem Gesprächstabus zu holen.

Die Gründe für den Anstieg der Drogentoten sind vielfältig, so der Drogenbeauftragte. Die Daten seien jedoch begrenzt und fehleranfällig aufgrund unterschiedlicher Erfassungsmethoden in den Ländern. Dennoch ist ersichtlich, dass die Haupttodesursachen erneut der Missbrauch von Opioiden und Langzeitfolgen des Drogenkonsums sind.
Familienmitglieder und Freunde sind von den gesundheitlichen Auswirkungen einer Suchterkrankung häufig betroffen. Eine schnelle Suchtbehandlung sei daher entscheidend, betont Burkhard Blienert. Hier sei auch die Politik in Bund und Ländern gefordert, ein flächendeckendes Suchthilfe- und Präventionsnetz aufzubauen und eine bessere Begleitung für Angehörige von Suchtkranken zu ermöglichen. Zudem brauche es einen früheren Einstieg in die medizinische und psychosoziale Behandlung.

Die meisten Drogentoten wurden in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin erfasst. Im Saarland und Niedersachsen gab es einen Anstieg der Drogentoten, während die Zahl in Mecklenburg-Vorpommern deutlich gesunken ist. Unter den Drogentoten waren 1.648 Männer (83 %) und 342 Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 40,6 Jahren.

Insgesamt braucht es laut dem Drogenbeauftragten mehr Initiativen und Behandlungen, die direkt und schnell ankommen und niedrigschwellig sind. Eine flächendeckende Substitutionsversorgung müsse sichergestellt werden, indem mehr Ärztinnen und Ärzte diese Behandlung anbieten. Politisch Verantwortliche sollten das Thema Sucht auf die Chefebene heben und Einsparungen bei der Suchtberatung und Anlaufstellen sollten ein Tabu werden.

Matthias Zupp

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