Kultur

WashBone & Slide - Konzertrezension

Am Abend des 26. Mai war die Eingangshalle des Panorama Museums wieder einmal gut gefüllt mit Besuchern, denn es gastierte das Duo WashBone & Slide.

Rechteinhaber: Fred Böhme/Archiv Panorama Museum

Rechteinhaber: Fred Böhme/Archiv Panorama Museum

Bad Frankenhausen. Das sind: Michel Drefs (WashBoneMichel) zuständig für alle möglichen Percussions vom Waschbrett, über verschiedene kleine Becken, Rasseln, einem Waschzuberbass und noch anderen mehr oder weniger umfunktionierten Alltagsgegenständen versehen mit allerlei Technik und einer gewissen, überraschenden Musiktauglichkeit, und René Klum (Mister Slide), der von der National Steel zum Dobro wechselte, die Stompmaschine mit dem Fuß bediente und damit eine Art Kickdrum-Geräusch produzierte und die meisten Gesangspassagen mit seiner angenehmen Baritonstimme übernahm. Von Anfang an waren die Musikkoordinaten des Duos klar.

Da war ein ordentliches Bluesfundament durch das solide Gitarrenspiel mal mit mal ohne Slide vorgegeben und da waren die Percussions, die dem Ganzen einen zusätzlichen Drive mitunter auch eine kuriose Note verliehen. Daneben spielten auch Folkelemente mit hinein, seltener der Songster-/Balladen- oder eben auch Ausflüge in die Jugband-Tradition vom Memphis der 30er Jahre, als dort noch Gus Cannon und seine verschiedenen Bands oder die Memphis Jug Band ein Kneipenpublikum zu begeistern wussten. Mit diesem Traditionsbewusstsein und einer Portion launigem Humor agierten die beiden älteren Herren des Duos, die selbst schon ein Teil der thüringisch-ostdeutschen Bluestradition sind, denn ihr Duo ist aus der in den 80er Jahren gegründeten Band WILDER WEIN hervorgegangen. Mit ihrem Auftaktstück „Number 9“ - einem Train-Blues mit Mundharmonika, Kazoo-Dröte am Anfang und einer wirklich nach Dampfross klingenden Tute – begann ihre Reise durch Standards der Americana-Tradition gewürzt mit ironisch-launigen eigenen Stücken und hier sangen sie beide wirklich zusammen.
Schon ihr Bühnenoutfit mit den seltsamen Hüten, dem Zwirbelbart und den Brillen ließ sie einer fernen Vergangenheit entstiegen erscheinen. „Da ist nix zu machen, da musste durch“ lautete der Refrain des nächsten Stücks, das typisch für das Repertoire der beiden ist. Es ging ihnen dabei weniger um Gesellschaft sezierende Reflektion als um eine selbstironische Bestandsaufnahme unabänderlicher Zustände, denen sie wie auch ihr Publikum ausgeliefert sind. Das schafft sogleich ein Gefühl der Verbundenheit bei den Konzertgästen, die sich gern darauf einließen. Im Blues geht es stets um die Frauen, die Liebe und den Alkohol, also folgte logischer Weise „One Scotch, one Burdon, one Beer“ und so ging es immer weiter.

Im zweiten Konzertteil gab es dann auch das Muddy-Waters-Stückchen namens „Got my mojo working“, eine kleine Leerstunde im rhythmischen Löffelklappern für die Gäste in den ersten beiden Reihen und lustiges Bassgepuste auf einem Blechgefäß, eben einem Jug. Da hatten sie längst ihr Publikum für sich gewonnen gehabt, das begeistert mitklatschte. Einige Damen versuchten auch eine flotte Sohle auf dem Steinboden der Eingangshalle zu tanzen und nach einem Klassiker der Renft Combo musste es letztlich wenigstens eine Zugabe sein, womit sie dann am Ende das Publikum entließ. Es war ein unterhaltsamer Konzertabend gewesen, der ganz im Zeichen der guten Unterhaltung stand und weniger in dem des Bluespuristentums und Virtuosen-Schnickschnacks.

Fred Böhme

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