Kultur

Thüringer Liedermacherin „friederike.“

Rezension zum Konzert der Thüringer Liedermacherin „friederike.“ am 8. September im Panorama Museum - zwischen Melancholie und erwartungsfroher Skepsis.

Bildrechte: Fred Böhme/Archiv Panorama Museum

Bildrechte: Fred Böhme/Archiv Panorama Museum

Bad Frankenhausen. Am Freitagabend (9. September) gab die Thüringer Liedermacherin „friederike.“ ein bemerkenswertes Konzert in der Eingangshalle des Panorama Museums. Viel brauchte sie dafür nicht. Es genügten ihr ein Klavier, ein passender Hocker und ein Gesangsmikrofon. So gesehen waren die Vorbereitungen für dieses Konzert durchaus überschaubar. Trotzdem war es ein intensiver Konzertabend, den die Künstlerin plaudernd, Klavier spielend und singend mit ihrem Publikum verbrachte.

Schon das Auftaktstück gab mit folgenden Zeilen die inhaltlichen Koordinaten des Abends vor:
„Es fällt mir häufig leicht, das Schlechte zu erwarten. Im Normalspiel des Lebens sehe ich nicht viele gute Karten…“ Oder: „Wer glaubt schon, dass sein Leben einem Happy-End-Film gleicht.“

Die junge Songpoetin, skeptisch und ernüchtert, (Ist das der Normalfall bei ihr?) also in Erwartung der sicheren Enttäuschung, entschließt sie sich voller Zweifel davon mit der (ironischen) Selbstermunterung zu befreien: „Ich fang ein neues Leben an, in dem ich mir die Hoffnung nicht selber raub…Ich werde einfach Optimist.“ Das klang nach großen Zweifeln gegenüber den Glücksversprechungen des Lebens und rang dennoch gleichzeitig um eine Spur Hoffnung. Diese Grundstimmung durchzog alle ihre Stücke und traf ganz offensichtlich den Nerv ihrer Zuhörer, die selbst meist bedeutend älter als die Künstlerin auf der Bühne wohl ganz ähnliche Stimmungen durchlebt und entsprechende Erfahrungen gemacht hatten und sich selbst sahen, wie sie auf das sich rarmachende Glück lauerten, um es im richtigen Moment zu packen, nur um dann wieder enttäuscht festzustellen, dass es eine faule Seite oder sich schon wieder auf und davon gemacht hatte. In „Land in Sicht“ wurde die Sandbank vom lyrischen Ich übersehen, auf der es nun festsitzt mit dem Paradies vor Augen. In „Dumm gelaufen“ dann die Selbst-Aufforderung „Aufstehen und Weitergehen…“, also Selbstermunterung und Verzweiflung… Ihr Gesang erinnerte in manchen expressiven Passagen an Tamara Danz von Silly, in leiseren Stücken auch an den Ton der Lieder von Gerhard Gundermann. Dabei sind ihre Texte sprachlich und rhythmisch eher in der Alltagssprache wurzelnd nicht immer Schönklang und bis in die letzte Silbe geschliffen, trotzdem oft durchaus originell. In „Groß sein“ beschreibt „friederike.“ eine unglückliche Beziehung mittels eines ungewöhnlichen poetischen Bildes „Er war die Burg und sie war die Stadt“, also ganz thüringisch, die Burg, die immer weiter wächst und die kleine Stadt aus dem Blick verliert und über die Provinz hinaus nach nationaler Größe giert. In solchen Stücken erwies sich die Künstlerin als überaus poetisch-hellsichtige und sensible Beschreiberin einer Variante zwischenmenschlicher Beziehungen.

Es war ein eindrucksvoller Konzertabend, der dem Publikum große Aufmerksamkeit abverlangte, es dann aber auch überreich beschenkte. Nach zwei Zugaben beendete „friederike.“ ihr Konzert und wurde dann von vielen Konzertgästen belagert, die unbedingt eine CD mit ihren Stücken erwerben wollten, um das Erlebte noch einmal nachhören zu können und das im Zeitalter von Spotify & Co.

Fred Böhme

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