Kurzmeldungen

Urwaldreliktarten in der Hohen Schrecke

Bis heute konnten 13 extrem seltene Käfer nachgewiesen werden

Erfurt. In diesem Sommer wurden zwei weitere extrem seltene Käfer-Arten in der Hohen Schrecke gefunden. Damit erhöht sich die Zahl der nachgewiesenen Urwald-Reliktarten auf 13. Die Hohe Schrecke liegt also deutlich vor dem Nationalpark Hainich mit lediglich vier Arten.



„Prinzipiell sind die Urwald-Reliktarten Holz- oder Totholzbewohner und gehören zu den so genannten Xylobionten“, so Andreas Weigel, Inhaber des Büros „ROSALIA Umweltmanagement“, der bereits seit 2009 die Käferwelt der Hohen Schrecke erforscht. „Was alle Ur-Arten vereint ist, dass sie ganz besondere Ansprüche an ihren Lebensraum haben und wegen der heutigen Wirtschaftsweise in unseren Wäldern kaum noch anzutreffen sind. Diese Arten lassen sich nur noch in sehr naturnahen Wäldern finden, wo Bäume noch alt werden dürfen. Das ist wichtig für die Käfer und andere Tierarten, denn zum Beispiel Buchen bilden oft erst im hohen Alter Strukturen aus, die für diese Arten die nötigen Lebensbedingungen bieten.“ In Wirtschaftswäldern werden die Bäume viel früher geerntet und die Käfer finden daher nicht die nötigen Bedingungen. „Da kann eine Art schon mal aussterben. Ein notwendiges Kriterium zum Vorkommen der UR-Arten ist zudem die sogenannte Biotoptradition, d.h. über einen langen Zeitraum müssen entsprechende Gehölz- und Totholzstrukturen auf der Fläche vorhanden sein.“


„In der Hohen Schrecke sind diese Bedingungen offensichtlich gut erfüllt. Mit den zwei Wildnisgebieten, den dazwischen liegenden und zum Teil schon realisierten Altholzinseln und Habitatbäumen können wir sicherlich auch langfristig den Fortbestand der Urwaltreliktarten sichern“, so Dr. Dierk Conrady, Leiter des Naturschutzgroßprojektes.

Die zwei Arten, die der Käferforscher Andreas Weigel in der Hohen Schrecke neu nachgewiesen hat heißen: Batrisodes buqueti und Ischnodes sanguinicollis.



Batrisodes buqueti ist knapp 2 mm groß, lebt oft zusammen mit Ameisen in morschem Holz unter der Rinde alter Laubbäume und sieht selbst ein wenig ameisenähnlich aus. In der Hohen Schrecke wurde er in einer Baumstamm-Höhle in einem alten Buchenbestand auf dem Hohenborn entdeckt. Er konnte bislang nur insgesamt drei Mal in Thüringen nachgewiesen werden. Gegen ihn ist der Schnellkäfer Ischnodes sanguinicollis mit knapp 1 cm Größe schon fast ein Riese. Den konnte der Experte diese Woche in einem Altholzholzbestand an der Burg Rabenswald nachweisen. Seine Larven leben räuberisch in Mulmhöhlen alter Laubbäume, die Imagines sind nur wenige Tage aktiv und verlassen ihre Habitate lediglich zur Partnerfindung. „Diese Arten habe ich schon längere Zeit erwartet“, sagt Andreas Weigel. „Aus meiner Sicht kommen noch weitere Arten in Frage. Ich bin gespannt, welche wir noch finden werden.“

Nadine Peinelt / Naturstiftung David

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