Land und Leute

Viele Menschen mit Zweitjob

900 Beschäftigte haben im Kyffhäuserkreis einen Minijob neben ihrer normalen Stelle. Das berichtet die Gewerktschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Zapfen im Zweitjob. Immer mehr Menschen sind auf ein Nebeneinkommen angewiesen. Viele von ihnen arbeiten nach Feierabend in der Gastronomie.

Zapfen im Zweitjob. Immer mehr Menschen sind auf ein Nebeneinkommen angewiesen. Viele von ihnen arbeiten nach Feierabend in der Gastronomie.

Kyffhäuserkreis. Wenn ein Job nicht reicht: Rund 900 Menschen im Kyffhäuserkreis haben neben ihrer regulären Stelle noch einen Minijob. Damit stieg die Zahl der Zweitjobber innerhalb von zehn Jahren um 71 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt. Die NGG Thüringen beruft sich hierbei auf neue Zahlen der Arbeitsagentur. Danach sind Zusatz-Jobs in Restaurants, Gaststätten und Hotels besonders verbreitet: In der Branche gab es im Juni 2019 kreisweit rund 170 Zweitjobber – das sind 144 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Gewerkschafter Jens Löbel spricht von einer Schieflage auf dem Arbeitsmarkt: „Im Schatten des Booms der vergangenen Jahre sind viele sozialversicherungspflichtige Stellen entstanden, die oft kaum zum Leben reichen. Nebenjobs müssen dann die Haushaltskasse aufbessern. Aber wer auf einen Zweitjob angewiesen ist, der arbeitet meist am Limit – auf Kosten von Familie, Freunden und Freizeit“, so der Geschäftsführer der NGG Thüringen.
Dabei treffe der Boom bei den Nebenjobs langfristig auch die heimische Wirtschaft. „Gastronomen und Bäckermeister, die über den Fachkräftemangel klagen, aber gleichzeitig auf 450-Euro-Kräfte setzen, schneiden sich ins eigene Fleisch. Minijobber können keine Hotelfachleute ersetzen“, betont Löbel. Doch Fachkräfte gewinne man nur mit ordentlichen Löhnen – „so hoch, dass die Beschäftigten keinen Zweitjob mehr brauchen“. Außerdem müssten sich die Arbeitgeber stärker um Nachwuchs kümmern. „Eine Lehre im Lebensmittelhandwerk oder im Gastgewerbe kommt für Schulabgänger nur infrage, wenn der Lohn und die Ausbildungsbedingungen stimmen“, so der Gewerkschafter.


Die NGG sieht aber auch die Politik in der Verantwortung. Die Zunahme der Zweitjobs sei auch das Ergebnis einer verfehlten Arbeitsmarktpolitik der Nullerjahre. „Mit einer Reform könnte die Bundesregierung Minijobs voll in die Sozialversicherung einbeziehen. Allerdings sollten die Arbeitgeber den größten Teil der Beiträge zahlen. Das macht reguläre Stellen attraktiver und verschafft den Minijobbern heute eine bessere Absicherung“, so Löbel.

NGG-Region Thüringen

Kommentare

Kommentieren
Im Moment sind keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten!

Beliebte Artikel

Zur Leseliste hinzufügen

Informationen zu Maßnahmen im Kyffhäuserkreis

Kyffhäuserkreis in Bezug auf die Corona-Pandemie

Zur Leseliste hinzufügen
6 bestätigte Corona-Fälle im Kyffhäuserkreis

6 bestätigte Corona-Fälle im Kyffhäuserkreis

Artern Die Zahl der Infizierten stieg heute nach offiziellen Angaben auf 6 Personen.

Zur Leseliste hinzufügen
Kriterien für Notfallbetreuung an Kitas und Schulen

Kriterien für Notfallbetreuung an Kitas und Schulen

Artern Das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport hat am Wochenende in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Schulämtern intensiv Vorbereitungen für die bevorstehende flächendeckende Schul- und Kitaschließungen getroffen.

Zur Leseliste hinzufügen
Kurzarbeit: Erst anzeigen, danach beantragen!

Kurzarbeit: Erst anzeigen, danach beantragen!

Nordhausen Arbeitsagentur informiert zum Verfahren

Neueste Artikel

Zur Leseliste hinzufügen
vor 2 Tagen

SOA-Ostereiermalen

Artern Einladung zum XXL-Ostereiermalen

Zur Leseliste hinzufügen
vor 7 Tagen

Rentenkommission ist gescheitert

Berlin Steinke sieht Sinkflug des Rentenniveaus nicht gestoppt

Zur Leseliste hinzufügen
vor 7 Tagen

Anzeigen auf Kurzarbeit

Nordhausen in Nordthüringen massiv gestiegen

Zur Leseliste hinzufügen
vor 11 Tagen

Coronapandemie - Nicht so schlimm? Sind die Maßnahmen überzogen?

Kyffhäuserkreis Aktuelle Fallzahlen zu Corona im Kyffhäuserkreis und ein Kommentar von Matthias Zupp.