Kultur

Rezension zur Ausstellung im Künstlerdörfchen Friedrichsrode

Zur Eröffnung & Ausstellung zur 11. JugendKunstBiennale des Städtenetzes SEHN am 17. September, 18:00 Uhr im Kunsthof Friedrichsrode.

Friedrichsrode. Die Sonne schien im Corona-Jahr auch am 17.September und erst recht im Künstlerdörfchen Friedrichsrode. In den Bergen der Südharzregion gelegen, war das allerdings kein Garant für einen warmen Spätsommerabend. Trotzdem pilgerten Kinder und Eltern massenhaft am späten Nachmittag dieses Tages dorthin. Auf der Wiese unterhalb des ehemaligen Kuhstalls, der jetzt vom Team des Kunsthofes als Konzert- und Ausstellungshaus genutzt wird, war ein größeres Areal eingezäunt und zahlreiche auf Sicherheitsabstand platzierte Bänke und Stühle erwarteten dort die Besucher. Es war der Tag der Ausstellungseröffnung und der Preisvergabe zur 11. JugendKunstBiennale des Städtenetzes SEHN, eines Kunstwettbewerbs für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 25 Jahren aus ganz Nordthüringen. Mehr als 300 Menschen bevölkerten letztlich als bunte Tupfer die grüne Wiese und lauschten erwartungsvoll nach der Begrüßung durch den Kunsthofchef Thomas Kümmel den sehr persönlichen Worten der Kulturstaatssekretärin Tina Beer und dem Grußwort von Dr. Michael Grisko von der Sparkassenkulturstiftung Hessen-Thüringen. Marion Kaps, Leiterin des Organisationsstabes der JugendKunstBiennale von der Regionalplanung Nordthüringen wies auf die dieses Mal überaus rege Teilnahme hin, denn es wurden mehr als 350 Werke eingereicht. Das waren hundert mehr als bei der letzten. Natürlich war das mit einem erheblich größeren Aufwand bei der Kuratierung der Ausstellung und der Preisträgerauswahl für das Jury-Team verbunden, führte allerdings auch zu einer deutlichen Niveau-Steigerung. Diesen Festakt umrahmten stimmungsvoll das Duo Katrin Deichstetter (Violine) & Klaus-Dieter Weigert (Gitarre) mit Instrumentalmusik und der junge Rapper Lenart Hattenhauer mit bissigen Sprechtexten. Dann endlich war es soweit: Es wurden die Preisträger bekannt gegeben. Dieses Mal wurden ihnen nicht die Hände ausgiebig geschüttelt und die Urkunden und Preise überreicht, vielmehr kamen sie vor zur Tribüne, knicksten artig oder winkten dem Beifall spendende Publikum zu, gingen dann zur Wäscheleine, wo ihre Urkunden im Wind wie Fähnchen flatterten, lösten sie von der Leine und holten sich ihren Umschlag mit dem Preis bei einem nahen Tischchen ab. Als dann endlich die Ausstellung für die Besichtigung freigegeben wurde und sich eine lange Schlange vor dem Kunststall bildete, weil die Corona-Beschränkungen und die damit verbundenen Abstandsregeln es lediglich gestatteten, dass 40 Besucher gleichzeitig durch die Wandelgänge der Ausstellung spazierten, da war es schon empfindlich kalt und nicht jede Besucherin und jeder Besucher waren auf diese Temperaturen eingestellt. Trotzdem lief alles sehr geordnet ab und es gab kaum Maskenverweigerer. Bei hundert verschiedenen Ausstellern, die in der Schau mit Werken vertreten sind, ist es wohl nicht verwunderlich, dass sie ein überaus vielfarbiges Bild ergibt, aus dem jeder seine Favoriten pickt. Das Spektrum reicht von der anarchisch-wilden Kinderzeichnung bis zur fast schon reifen Kunstäußerung jugendlicher Aussteller. Einerseits war da der kuriose „Familienausflug“ der Neunjährigen Anastasia Weide, die einen hohen grünen Hügel mit sommerlich blauen Himmel malte und davor ihre vierköpfige Familie winzig klein platzierte, die zusammen mit ihrem Hund im Gänsemarsch dort entlang wanderte, wobei ihre kindlich naive Figurenauffassung einen lebhaften Kontrast zur Landschaft bildete. Am anderen Ende der Skala stand dann die surreal perfekte Arbeit der 16jährigen Paula Heinrich aus Artern, die ihre prägnante Graphitzeichnung mit einem auf dem Kopf stehenden Mädchen-Porträt und einem Hirsch- und einem Katzenschädel mit dekorativ-wuchernden roten Blütenelementen im Kartoffeldruckverfahren verzierte - eine überragende Arbeit, die wie ein stiller Solitär diese Schau veredelt. Wunderbar auch die expressionistisch anmutende Farbigkeit des „Chamäleons“ der Neunjährigen Eva Hlawaty aus Mühlhausen, die Franz Marc sicher begeistert hätte, die zwei ebenso prächtigen Figurinen des „Triadischen Quartetts“ – eine Oskar-Schlemmer-Hommage, das hier aus Platzgründen leider zum Duo geschrumpft werden musste. Daneben krakelige Familienbildnisse, fantasievolle Dada-Schuhe, eine gelungene Cranach-Variation mit treffsicherer Beobachtung und naiv gebrochener Detailsicht in Ehrfurcht gebietendem Goldrahmen, Aniks Smolkas sehr hellsichtige Selbstporträtserie, oder Ronja Petzls poetisch-verspielter „Mondaufgang“ mit der an Hundertwasser erinnernden, bunt wuchernden Stadt hinter und auf dem großen Feininger-Viadukt. Es gibt viel zu entdecken in der Schau, die an dieser Stelle nur noch bis zum 29. September zu sehen sein wird und dann ab 6. Oktober in Sondershausen in der Galerie am Schlossberg ihre Fortsetzung findet.

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Fred Böhme

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