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Über 1000 helfende Hände zum MDR-Frühlingserwachen

Sebastian Weidauers Rückblick auf das MDR-Frühlingserwachen in Artern.

Artern. Nachdem der Winter langsam seine Türen geschlossen und der Frühling mit ersten wärmenden Sonnenstrahlen durch die Fenster gewinkt hatte, suchte man in Mitteldeutschland zahlreiche helfende Hände und Unterstützer, um in die Jahre gekommene und eine Renovierung dringend benötigende Plätze an drei aufeinanderfolgenden Samstagen wieder aufblühen zu lassen. An diesem vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) organisierten Frühlingserwachen nahmen wöchentlich je eine Stadt aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt teil und gingen automatisch ins Rennen um eine Verschönerungsprämie von 5.000 Euro nebst großer Gratis-Schlagerparty. Alle Ortschaften hatten zuvor jeweils ein Herzensprojekt ihrer Heimat auserkoren, das einen freiwilligen und gemeinschaftlichen Großeinsatz verdiente und innerhalb von sechs Stunden wieder auf Vordermann gebracht werden sollte.




Vor den Städten Mügeln in Sachsen und Tangerhütte in Sachsen-Anhalt stand das beschauliche thüringische Soleörtchen Artern als erster Teilnehmer auf der Wettkampfliste und hat sich zum großen Ziel gesetzt, das teils stark verwilderte, an unzähligen Stellen deutlich verwitterte und bröselnde Fußballstadion am Salinepark zu erneuern. Um optimal vorbereitet zu sein, forderten allerhand Absprachen im Vorhinein jede Menge Koordination, Kooperationsbereitschaft, Ehrgeiz und Zusammenarbeit sämtlicher Firmen, Vereine und Verbände vor Ort, dank derer neben der im Zentrum stehenden handwerklichen Arbeit auch ein besonderes kulinarisches und kulturelles Programm auf die Beine gestellt werden sollte. Während die Liste der beabsichtigten Renovierungsarbeiten auf dem Sportgelände immer länger wurde, rückte der große Arbeitseinsatz in Artern unweigerlich näher. Die Smartphone-Wetter-App der Arterner Bürgerinnen und Bürgern war in dieser Zeit wohl eines der meist genutzten Anwendungsprogramme auf ihren Smartphones – ist doch das Wetter ein keinesfalls zu unterschätzender Erfolgsfaktor für das Gelingen derartiger Open-Air-Events.




Entgegen aller Hoffnungen meinte es der Wettergott leider nicht allzu gut mit den Arternerinnen und Arternern, als am Morgen des 16. März um punkt 10 Uhr der Startschuss zum XXL-Subbotnik fiel. Doch trotz äußerst ungemütlicher Temperaturen nur unweit vom Gefrierpunkt entfernt, Wind und Dauerregen scheuten sich die fernab jedweder Zimperlichkeit fleißigen Bürgerinnen und Bürger nicht, an allen Ecken anzupacken. Mit Spaten, Schaufeln, Harken, Hacken, Sägen, Äxten, Baggern, Besen, Pinseln und Karren im Schlepptau pilgerten von überall her Blaumänner, bunte Regencapes und stilvolle Gummistiefel ins Saline-Stadion – allesamt mit dem festen Willen, der maroden Sportstätte ihren einstigen Glanz zurückzugeben und für alle Generationen, ob Schulkinder, Jungathleten oder Seniorensportler, wieder attraktiv zu machen. Zahlreiche Firmen und Vereine aus der Stadt bis hin nach Erfurt machten sich auf und spendeten ihren freien Samstag, um mit all ihren verfügbaren Gerätschaften und Maschinen Vollgas zu geben!



Nach den motivierenden Willkommensgrüßen von Frau Christine Zimmer, Beauftragte der Stadt Artern, und Herrn Martin Scholz, Präsident des VfB Artern, sowie einem musikalischen Auftakt durch das Arterner Schalmeienorchester strömten die beeindruckend großen Helfermassen auf Kommando unserer MDR-Ortspatin Susan Weitershagen wie Ameisenkolonien voller Tatendrang in Scharen aus und machten sich an die ihnen zugeteilten Projekte. Es wurde geharkt und gehackt, gebaggert, gesägt, geflext, gepinselt, gebuddelt, gefegt, gekerchert, geschweißt, geschrubbt und gepflanzt, gesungen, gefeiert, gejubelt, getanzt. Unter den tief hängenden grauen Wolken wurden alle Kräfte gesammelt, um bis zum Ablauf der Zeit um 16 Uhr die stark verwitterten, von Moosteppichen überzogenen und rutschigen Zuschauertribünen, die von Gras und Unkraut befleckten Laufbahnen, das überall rissige Sprecherhaus, die zugewucherten Weitsprunggruben, die zu einer unebenen Rasenfläche heruntergekommene Kugelstoßanlage, die rostigen und quietschenden Eingangstüren und -tore sowie das an der Fassade unübersehbar bröckelnde Sportlerheim von innen und außen wieder "aufzupeppeln". Selbst der andauernde Regen hielt die Arternerinnen und Arterner nicht ab, der einen halben Kilometer langen, maroden Stadionumfriedung an den Kragen zu gehen, ihren überall abblätternden Lack abzuschleifen, das Gestänge mit kurzfristig aufgetriebenen Heißluftbrennern trocken zu halten und ihm einen neuen Anstrich zu verpassen.




Rund um die Uhr waren alle Helferinnen und Helfer bestens versorgt. So verteilten der jüngst gegründete Verein „Wir für Artern e.V.“ sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ThINKA und TALISA e.V. kostenfrei leckere Speisen und Getränke. Erzieherinnen und Erzieher der hiesigen Kindertagesstätten betreuten die Kids der schuftenden Eltern in einer bunten Bastel-, Schmink- und Malstraße. Eine erfrischende Mittagspause boten die Arterner Schalmeien, die gemeinsam mit knapp 100 Tänzerinnen und Tänzern des örtlichen Turnvereins einen Überraschungsauftritt in Form eines bereits Wochen vorher einstudierten Flashmobs präsentierten und passend zum Frühlingsthema zusätzlich allerlei selbstgebastelte Ballonblumen, deren Erlös nicht in die eigene Vereins-, sondern in die Renovierungskasse des nebenan liegenden Soleschwimmbades fließt, verteilten. Ganztägig mit vor Ort war außerdem „Radio Artern“, das den gigantischen Arbeitseinsatz mit flotter Musik beschallte.

Nach einem gelungenen Abschluss durch die zarten Klänge des Arterner Volkschors war es dann schon so weit. Der Countdown wurde von fünf abwärts gezählt und das erlösende Signal ertönte. Es war geschafft! Weit über 600 helfende Hände haben bis zur letzten Minute unermüdlich geschuftet und mit vereinten Kräften das große Ziel erreicht! Der beispiellose ehrenamtliche Einsatz, die Offenheit für Neues und die Spontaneität aller Teilnehmenden haben den Riesen-Arbeitseinsatz zu einem richtigen Volksfest erblühen und die Stadt Artern Großartiges schaffen lassen. Auch wenn es für den Soleort auf dem Siegertreppchen letztlich nur für die Bronzemedaille gereicht hat, sind alle, die sich am Gelingen des großen gemeinsamen Subbotniks beteiligt haben, Champions!

Sebastian Weidauer

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