Kultur

„Before they close the Borders“ - Robb Johnson war zu Gast im Panorama Museum

Rezension zum Konzert von Robb Johnson, Liedermacher / Chansonier aus UK am 22.2. im Panorama Museum.

Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum

Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum

Bad Frankenhausen. „Bevor sie die Grenzen dicht machen…“ unter diesem fatal-resignativem Motto stand dieses Mal Robb Johnson Konzert am 22. Februar im Panorama Museum, und genau so heißt auch seine aktuelle Tour-CD. Getragen von Wut und Fassungslosigkeit schaut dieser linke englische Intellektuelle, Liedermacher und Chansonier auf sein Land und dem aktuellen Irrsinn in der Welt. Sein Publikum begrüßte er gewohnt freundlich: „Guten Abend! Na, wie geht´s? Gut. Schön! Mir geht es auch ziemlich gut. Ähm, nicht ganz gut. Aber es wird immer schlimmer sein…Moment, ich kann noch Deutschland besuchen…“ Und schon beginnt er sein „Sunset, Sunrise“, einen Song aus seiner langen Musikerkarriere.
Robb Johnson ist ein englischer Geschichtenerzähler mit einem europäischen Blickwinkel, der allerdings seine Geschichten in seiner Muttersprache vorträgt. Und das war sicher auch das Problem für manchen Konzertbesucher an diesem Abend. In einem drolligen Deutsch erzählte er allerdings zwischen den Liedern kleine Geschichten oder versuchte, den Hintergrund seiner Stücke zu beleuchten. Er sang mit einer kräftigen, hellen Stimme und begleitete sich dazu mit einer durchaus sehr soliden Gitarrenbegleitung jenseits des simplen Akkordgeschrummels. Gerade im ersten Teil präsentierte er auch einige Bluesnummern wie beispielsweise das wunderbare „Nobody knows you when you down and out“ von der legendären Bessie Smith zwischen seinen eher chansonhaften Stücken, weswegen er seine Lieder gern auch als „english Chanson“ bezeichnet. Ein plinkernd-perlende Gitarrenzwischenspielspiel und mitten im Song und fragt er sarkastisch: „Wie ist das passiert? Die ganze Welt hat einen Wettbewerb. Wer kann das größte rechte weiße Arschloch wählen? Natürlich, Amerika hat wieder gewonnen…“

Nach dem eher ruhigeren ersten Teil bot er im 2. Set zunehmend packende Nummern mit einer spürbareren Protestsong-Punk-Note, die wohl noch besser geeignet waren, seiner Wut Ausdruck zu verleihen. Es fehlte nur die heftig aufspielende Backingband. Überraschend auch immer wieder sein Bezug gerade zu ostdeutschen Städten wie Erfurt, dessen Bahnhof ihm zum „When I Bring You Roses“ inspirierte, zu Magdeburg, Ilmenau oder Chemnitz, dem er eine Liebeserklärung an Karl Marx widmete, dessen Namen er dort auf Mauern aufgesprüht sah oder dessen Gesicht ihn als Tattoo in der Straßenbahn vom Arm eines Mannes anblickte. Er ist hier viel herumgekommen, gastierte bereits vor 17 Jahren das erste Mal im Panorama Museum. „The Kreuzberg Sisters“ hat er kennengelernt bei einem Berlinaufenthalt, als er als Kindergartenerzieher sich mit deutschen Kolleginnen über bestimmte Hilfsprogramme für solche Einrichtungen austauschte und dabei natürlich der einzige Mann in der Runde war. „The Ballad oft he North Wind“, die ihm der Nordwind auf dem europäischen Festland einflüsterte oder auch der Titel gebende Song seiner Tournee-CD, der ihm während eines Paris-Aufenthalts nahe des Montmartre kam. Melancholische Splitter die ihm im Brexitchaos Verlustangst bereiten. Wie viel Europa wird in England bleiben, wenn sie die Grenzen dicht machen, die Züge nicht mehr fahren??? Robb Johnson singt gegen diese „Inselhaft“ und den Verlust von Freiheit an und gab mit seinem Konzert allen englischen Brexit-Gegnern eine Stimme. Das dieses Mal nicht sehr zahlreiche Publikum entließ diesen sympathisch-engagierten Mann erst nach zwei Zugaben.

Fred Böhme

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