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Inzidenz im Kyffhäuserkreis bei 216,9 - Intensivmediziner warnen

Intensivmediziner warnen vor kommenden Engpässen, wenn nicht gegengesteuert wird und weisen darauf hin, dass viele Operationen aufgrund der schlechten Infektionslage abgesagt werden müssen.

Foto von Parentingupstream (Pixabay) https://pixabay.com/photos/stethoscope-hospital-doctor-health-840125/

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Kyffhäuserkreis. Zahlen in Thüringen und dem Kyffhäuserkreis

Die Inzidenz im Kyffhäuserkreis liegt nun bei 216,9 ( vor 11 Tagen: 176,5). In Thüringen stieg die Inzidenz weiter und liegt nun bei 259,2 (vor 11 Tagen: 234,6). Das ist nach wie vor der schlechteste Wert in Deutschland (Durchschnitt Deutschland: 160,1).

Seit dem letzten Update vor 11 Tagen sind 7 weitere Todesopfer zu beklagen. Die Zahl steigt damit im Kyffhäuserkreis auf 120. Bezogen auf die nachgewiesenen Fälle sind 4,0 % der Infizierten mit dem Virus verstorben. Damit sind wieder mehr Menschen gestorben, als bei unseren letzten Updates. Höhere Inzidenzen gehen nach wie vor damit einher, dass mehr Menschen am Virus versterben. Das ganze bildet sich zeitversetzt ab, da zwischen Ansteckung und negativem Ausgang teils mehrere Wochen liegen.

Fälle in den letzten 7 Tagen (nominal, also nicht auf 100.000 Einwohner gerechnet): 88 (vor 11 Tagen: 102)
Fälle insgesamt: 2.968
Todesfälle (nachgewiesene Infektion): 120 (vor 11 Tagen: 113)*1

Zahl der freien Intensivbetten

Dass die Zahl der belegten Intensivbetten mit der 7-Tage-Inzidenz korreliert, lässt sich feststellen, wenn man einen Vergleich mit der 2. Welle anstellt. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin beklagt in einer Pressemitteilung vom 09.04.2021, dass die Zahl der belegten Intensivbetten (DIVI) in der 3. Welle von 2.721 auf 4.515 gestiegen ist und gleichzeitig politisch nichts passiert sei. „Dabei haben wir nur zwei wirksame Mittel gegen die Pandemie: Abstand und Impfen“, sagt der Präsident der DIVI, Professor Gernot Marx. Marx weiter: „Nur will das anscheinend niemand mehr hören.“ Und so werden es täglich mehr schwerstkranke Patienten mit COVID. Die 3. Welle schwappt in die Kliniken, wo eigentlich die Pflegekräfte dringend mal eine Pause bräuchten. So wird täglich wieder Patient um Patient verlegt, um Platz zu schaffen. Und so werden wieder immer häufiger planbare Operationen abgesagt. „Den großen Knall, den absoluten Notfall, den wird es in Deutschland so schnell nicht geben – weil im Hintergrund sehr viele Menschen so unheimlich hart arbeiten“, erklärt Marx. „Trotzdem ist die Situation absolut kritisch!“

„Das Bild wird sich in knapp 14 Tagen deutlicher zeichnen“, pflichtet ihm Professor Christian Karagiannidis (Foto oben Mitte), med.-wiss. Leiter des DIVI-Intensivregisters und Leiter des ECMO-Zentrums der Lungenklinik Köln-Merheim bei. „Denn dann wird die Zahl der COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen auf die 6.000 zugehen – und das wird nur schwerlich aufzuhalten sein.“ Damit wären es mehr Patienten als auf der Spitze der zweiten Welle Ende Dezember/ Anfang Januar.

Die Auffassung, dass politisch mehr passieren muss, teilt Karagiannidis, der zudem Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin (DGIIN) ist: „Durch einen harten Lockdown hätten wir jeweils abbiegen und damit Leid und Tod verhindern können – aber wir verpassen durch politisches Zögern jede der möglichen Ausfahrten“. Auch in dieser Zeitung wurde schon moniert, dass aktuell keine Bestrebungen zu erkennen sind, dass politisch gegengesteuert wird:

Professor Frank Wappler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und Klinikdirektor der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin im Krankenhaus Köln-Merheim erklärt: „Es werden bereits wieder zahlreiche Eingriffe von Patienten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Wir wissen, dass im Vergleich zu den Vorjahren z.B. deutlich weniger Tumor-Operationen durchgeführt worden sind. Einfach, weil die Patienten im Anschluss ein Bett auf der Intensivstation benötigen.“

Professor Uwe Janssens, Past-Präsident der DIVI, Generalsekretär der DGIIN und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler mahnt: „Diese dritte Welle wird das Zünglein an der Waage sein. Da werden uns zahlreiche Pflegekräfte endgültig die Segel streichen – und wir können es ihnen nicht verübeln.“ Schon vor der Corona-Pandemie gab es einen erheblichen Mangel an Fachpflegepersonal. „Das Problem konnte bisher trotz aller Bemühungen nicht gelöst werden und wird sich jetzt und in den kommenden Monaten noch weiter verschärfen“, befürchtet Janssens.
„Ein harter Lockdown, wie wir ihn seit Ende Februar fordern, für einen Zeitraum von etwa drei Wochen, kann die hohen Inzidenzen deutlich sinken lassen und damit auch die Zahl der Intensivpatienten deutlich verringern“, fasst es DIVI-Präsident Marx zusammen. „Wir wiederholen uns leider in diesem Punkt seit vielen Wochen.“

Die Belegung der Intensivbetten erinnert schon heute stark an die Situation zur zweiten Welle:

Auslastung der Intensivbetten*2

Intensivbetten im Kyffhäuserkreis: 7
Belegung: 2 Covid-Patienten, 5 Nicht-Covid, 0 freie Bett

Intensivbetten Sömmerda: 6
Belegung: 3 Covid-Patienten, 3 Nicht-Covid, 0 freie Bett

Intensivbetten Mansfeld-Südharz: 27
Belegung: 9 Covid-Patienten, 16 Nicht-Covid, 2 freie Bett

Intensivbetten LK Nordhausen: 63
Belegung: 13 Covid-Patienten, 36 Nicht-Covid, 14 freie Betten

Quelle *1: https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4/page/page_0/

Quelle*2: https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/corona-zahlen-deutschland-neuinfektionen-inzidenz-aktuelle-karte

Matthias Zupp

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